Berufsunfähigkeitsversicherung mit Morbus Crohn möglich?

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Bei der Erkrankung Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Deshalb ist es in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht einfach eine Versicherungsgesellschaft zu finden, die überhaupt Versicherungsschutz anbieten kann. Möglich ist es aber, wie einige Beispiele unserer Mandanten zeigen. Wie so oft, kommt es auch hier auf den Einzelfall und die medizinischen Details an. Um so wichtiger ist es, zunächst genauestens die Krankengeschichte aufzuarbeiten.

Morbus Crohn – Häufig hoher Risikozuschlag oder Auschlussklausel

Viele Gesellschaften können nur eine Ausschlussklausel oder einen hohen Risikozuschlag anbieten.

Hier z.B. die Gesellschaft LV 1871, bei der wir mal das Makler-Tool „Quick Risk“ zu der Erkrankung Morbus Crohn befragt haben:

Wie man sieht haben wir hier mal einen Fall angenommen mit einem recht guten Verlauf der Erkrankung und trotzdem ist die Tendenz eine Ausschlussklausel für Darmerkrankungen.

 

Bei diesem Versicherer würde die Ausschlussklausel so aussehen:

„Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind:
Entzündliche und tumoröse Darmerkrankungen und Folgen.“

Ein Ausschluss ist nicht ideal. Ein Beitragszuschlag ist einem Leistungsausschluss in der Berufsunfähigkeitsversicherung eigentlich immer vorzuziehen, denn beim Zuschlag sind die Erkrankung und die Folgen mitversichert. Wenn eine Ausschlussklausel vereinbart ist, zahlt die Versicherung nicht, wenn man wegen Morbus crohn berufsunfähig wird.

 

Nun, dass Tool heißt „Quick Risk“ deshalb ist eine individuelle Einschätzung mit so einem Tool nicht möglich. Es geht nur darum eine erste Tendenz zu bekommen. Deshalb sollte man immer mehrere Voranfragen mit Arztberichten und Zusatzfragebögen einreichen. Je besser die medizinischen Unterlagen aufbereitet sind, desto besser sind auch die Einschätzungen der Versicherungsgesellschaften. Das zeigt ganz klar unsere Erfahrung mit dem Thema Risikovoranfragen.


Auch mit dem Tool VersDiagnose, ein Tool für Online-Risikovoranfragen für Versicherungsmakler, ergibt sich als erste Einschätzung für die Erkrankung Morbus Chron, dass selbst bei längerer Beschwerdefreiheit mit Einschränkungen – will heißen: Auschlüsse, Risikozuschläge oder gar Ablehnungen - in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu rechnen ist.

Beispiele aus der Praxis

1. Beispiel Risikoeinschätzung

Einschätzungskriterien: in Behandlung seit 02/2008, Krankenhausaufenthalte 2013 und 2014, medikamentöse Behandung mit dem Probiotikum Mutaflor, in 2014 eine geringe Erhöhung der Entzündungsparameter CRP 7,8 mg/dl, daher eine erneute Therapie mit Budenofalk für ca. 6 Monate, aufgrund der geringen klinischen Symptomatik ist von einem eher günstigen Verlauf auszugehen.

 

Beruf: Lehrer

 

Ergebnis: Risikozuschlag

2. Beispiel Risikoeinschätzung

Einschätzungskriterien: Morbus Crohn diagnostiziert, bislang nur in Beobachtung und keine Behandlung geplant oder angeraten

 

Beruf: Azubi

 

Ergebnis: Risikozuschlag

Wie geht man nun am besten vor bei Morbus Crohn?

Auf keinen Fall direkt Anträge bei Versicherungsgesellschaften stellen. Der richtige Weg ist eine Risikovoranfrage. Der Versicherungsgesellschaft werden die relevanten Daten zum Gesundheitszustand für eine Vorabeinschätzung übermittelt. Diese teilt dann entweder mit, welche weiteren Angaben noch für eine Einschätzung benötigt werden oder ob und falls ja zu welchen Bedingungen man dort versichert werden kann.

Bei der Erkrankung Morbus Chron ist es sinnvoll einen Zusatzfragebogen zu der Darmerkrankung einzureichen. Hilfreich sind auch Arztberichte, Atteste etc.

 

Den Zusatzfragebogen, den wir für Voranfragen in der BU-Versicherung verwenden können Sie hier runter laden.

Download
Fragebogen_Magen_Darm_Morbus Crohn.pdf
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Übliche Zusatzfragen bei Magen- Darmerkrankungen

  1. Wie lautet die ärztliche Bezeichnung Ihrer Erkrankung? (z.B Gastritis, chron. Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Chron), Refluxkrankheit)
  2. Unter welchen Beschwerden haben Sie gelitten bzw. leiden Sie noch? (z.B Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Schmerzen, Durchfälle, Teerstühle, Blut im Stuhl, etc.)
  3. Erstmaliges Auftreten der Beschwerden? (Monat/Jahr)
  4. Werden/wurden Sie mit Medikamenten behandelt? (z.B. Kortison)
  5. Nehmen Sie regelmäßig alkoholische Getränke zu sich? Rauchen Sie?
  6. Wurde der Erreger „Helicobacter pylori“ festgestellt?
  7. Wurde eine Magen- oder Darmspiegelung vorgenommen?
  8. Wurde eine Operation durchgeführt oder ist eine Operation vorgesehen?
  9. Wurde eine Strahlenbehandlung oder Chemotherapie durchgeführt? 
  10. Wann fand die letzte Kontrolluntersuchung statt? Ergebnis: ...

So funktioniert eine Risikovoranfrage

Aufarbeitung

Gesundheitshistorie aufarbeiten: Auskunft bei Krankenkasse und Ärzten, einholen. Fragebögen zum Gesundheitszustand ausfüllen. Wir unterstützen Sie bei Ihrer Recherche und Vorbereitung der Voranfrage

Anfrage

Voreinschätzung der Versicherbarkeit durch uns. Individuelle Risiko-Voranfrage bei mehreren Gesellschaften

Auswahl

Auswertung der Ergebnisse, ggf. weitere Voranfragen, Nachreichen von Unterlagen, Besprechung der Ergebnisse mit Ihnen, ggf. Nachverhandlung mit den Versicherern

Antrag

Angebotserstellung für den Versicherer mit den besten Konditionen, Besprechung der Vertragsausgestaltung, Unterstützung bei der Beantragung durch uns.